CCC veröffentlicht Formulierungshilfe für Digitales im neuen Regierungsprogramm

Endlich ein solides Regierungsprogramm für unsere digitalisierte Welt, wer wünscht sich das nicht? Wir machen hiermit einen Vorschlag. Kürzer konnten wir es leider nicht hinbekommen, denn es hat sich ja einiges aufgestaut.

Um den zukünftigen Regierungsparteien die vor ihnen liegenden Aufgaben in den Bereichen Digitalisierung, IT-Sicherheit, Bürgerrechte und Verbraucherschutz im Netz zu vereinfachen, publiziert der Chaos Computer Club (CCC) eine Liste von richtungsweisenden Vorschlägen. Ein phantasieloses „Weiter so!“ bedeutet Stillstand und letztlich Rückschritt, gefragt sind jetzt mutige, nachhaltige Schritte in eine bessere Zukunft.

Momentan sieht es düster aus: In vielen Feldern wurden in den letzten Legislaturperioden statt sinnvollem technischen Fortschritt lieber plakative Buzzword-Projekte (etwa ePA, De-Mail, beA, ID Wallet) vorangetrieben, die nunmehr als Investitionsruinen mahnen. Ehrenamtliche Hilfsangebote wurden ignoriert oder durch fehlende Open-Data-Konzepte aktiv blockiert. Software-Patente, Uploadfilter und der Hacker-Paragraph führen dazu, dass viele Experten aus Wissenschaft, Industrie und Zivilgesellschaft keine Lust verspüren, dem Staat aus der Patsche zu helfen.

Seit Jahrzehnten wurde versäumt, eigene belastbare technische Kompetenzen in Bund und Ländern aufzubauen, um IT-Projekte managen, deren Sinnhaftigkeit überhaupt einschätzen und sie später selber betreiben zu können. Eine zeitgemäße Internetversorgung wurde durch überteuerte UMTS-Frequenzversteigerungen, fehlgeleitete Industrieförderung, die Duldung von Massenabmahn-Modellen und den jahrelang durch Inkompetenz und Korruption verursachten Stau beim Glasfaserausbau verhindert.

Im Bereich der Bildung verharrt Deutschland in der digitalen Steinzeit – sowohl bei der technischen Ausstattung, der Netzversorgung der Bildungseinrichtungen als auch beim personellen Unterstützen digitalisierter Bildungsmethoden.

Gegen die explizite Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts torpedieren staatliche Stellen in Deutschland aktiv die Sicherheit der Endgeräte aller. Statt zukunftssicherer Hardware verstopft tonnenweise schon beim Verkauf abgekündigter und nie wieder aktualisierter Elektroschrott die Regale der Händler, dessen Weiterbetrieb neben den Wohnungen und privaten Daten der Nutzer auch die Verfügbarkeit und Sicherheit der eh schon wackeligen Netze gefährdet.

Die Liste der Baustellen und der zu ihrer Bewältigung nötigen Maßnahmen ist lang. Im Folgenden führt der CCC die dringlichsten Punkte auf. Die vollständige Liste der nötigen Maßnahmen in den Themenfeldern Infrastruktur, Bildung, Verwaltung, Urheberrecht, Überwachung, IT-Sicherheit, Nachhaltigkeit, Außenpolitik und Menschrechte bei automatisierten Entscheidungen folgt darunter.

Der CCC hofft, dass sich die neue Regierung ihrer Verantwortung bewusst wird, die Fehlentwicklungen und Versäumnisse der letzten Jahre zügig anzugehen und mit einem umfangreichen Programm für nachhaltige, die Bürger- und Menschenrechte respektierende Digitalisierung den Weg in eine bessere Zukunft beschreitet.


Die nötigen Maßnahmen in den Themenfeldern Infrastruktur, Bildung, Verwaltung, Urheberrecht, Überwachung, IT-Sicherheit, Nachhaltigkeit, Außenpolitik, Tracking und Menschenrechte bei automatisierten Entscheidungen:

Infrastruktur

Bildung

Verwaltung

Urheberrechte und Patente

Überwachung

IT-Sicherheit

Nachhaltigkeit

Ein Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist es, die effektive Nutzbarkeitsdauer von Computern und Geräten zu verlängern und den Energieverbrauch von Digitalgeräten und -Infrastruktur zu senken. Daher sind folgende Maßnahmen nötig:

Außenpolitik

Tracking

Menschenrechte bei automatisierten Entscheidungen (vgl. Art. 22 DSGVO)

Quelle: erdgeist am 2021-10-06 auf https://www.ccc.de/de/updates/2021/ccc-formulierungshilfe-regierungsprogramm